Eine Leiterplatte kann mehrere Prüfprozesse durchlaufen und trotzdem Bereiche enthalten, die nicht oder nur unzureichend abgedeckt sind. Gerade bei komplexen Baugruppen reicht es deshalb nicht aus, lediglich zu wissen, dass getestet wird. Entscheidend ist die Frage: Wie vollständig ist die tatsächliche Testabdeckung des gesamten PCBs?
Genau hier setzt der Test Coverage Report in PCB-Investigator an. Er führt Ergebnisse verschiedener Maschinen- und Analyseverfahren zusammen und macht sichtbar, welche Komponenten und Bereiche geprüft werden – und wo möglicherweise noch Lücken bestehen.
Warum Test Coverage so wichtig ist
In modernen Fertigungsprozessen kommen häufig unterschiedliche Prüfverfahren zum Einsatz. AOI, AXI, ICT oder weitere Testsysteme betrachten dabei jeweils unterschiedliche Aspekte einer Baugruppe.
Die Herausforderung: Einzelne Prüfergebnisse zeigen immer nur einen Teil des Gesamtbildes. Eine Komponente kann beispielsweise von mehreren Maschinen geprüft werden, während eine andere möglicherweise von keinem der eingesetzten Verfahren vollständig erfasst wird.
Der Test Coverage Report schafft hier eine gemeinsame Sicht auf die vorhandenen Prüfdaten. Dadurch wird schneller sichtbar, wo die Teststrategie bereits gut funktioniert und in welchen Bereichen noch Optimierungspotenzial besteht.
Prüfergebnisse gemeinsam betrachten
PCB-Investigator verwendet für den Test Coverage Report Ergebnisse aus der Maschinenanalyse. Unter anderem können Ergebnisse aus AOI- und AXI-Analysen, der Boundary Scan Analyse, sowie aus der DFT Preparation (ICT + Flying Probe) in die Berechnung einbezogen werden. Dabei wird zwischen der Prüfbarkeit der Anwesenheit (Presence), der Polarität (Polarity), des Wertes (Value) und der Lötstellen (Soldering) unterschieden (PPVS Prinzip).
Statt die Resultate jedes einzelnen Prüfverfahrens separat zu betrachten, können sie so für das gesamte PCB zusammengeführt werden. Für unterschiedliche Maschinen stehen dabei entsprechende Ergebnisse und Filtermöglichkeiten zur Verfügung.
Das hilft beispielsweise bei Fragen wie:
- Welche Komponenten werden aktuell getestet?
- Wird bei einer Komponente nur die Anwesenheit (Presence) geprüft, oder auch dessen Polarität (Polarity), Wert (Value)und Lötstellen (Soldering)?
- Welche Bereiche sind noch nicht ausreichend abgedeckt?
- Welche Komponenten werden von mehreren Maschinen geprüft?
- Welchen Beitrag leistet eine bestimmte Maschine zur gesamten Testabdeckung?
- Wie verändert sich die Coverage, wenn ein Prüfverfahren entfernt oder ergänzt wird?
- Rentiert sich der Einsatz eines zusätzlichen Testverfahrens wie z.B. Boundary-Scan, oder bringt er keinen Vorteil?
Gerade bei umfangreichen Fertigungslinien entsteht dadurch ein deutlich transparenteres Bild der tatsächlichen Prüfstrategie.
Welche Maschine trägt wie viel zur Testabdeckung bei?
Ein besonders hilfreiches Element ist das Test Contribution Chart. Es zeigt, welchen Anteil einzelne Maschinen an der gesamten Prüfung haben.
Dabei wird nicht nur sichtbar, welche Komponenten noch ungetestet sind. PCB-Investigator kann auch Überschneidungen zwischen mehreren Maschinen darstellen. Wird beispielsweise dasselbe Bauteil sowohl durch AOI als auch ICT geprüft, lässt sich diese Mehrfachabdeckung erkennen.
Gleichzeitig wird deutlich, wenn bestimmte Komponenten ausschließlich durch eine einzelne Maschine getestet werden. Das hilft dabei, den tatsächlichen Nutzen der einzelnen Prüfschritte besser einzuschätzen.
Was passiert, wenn eine Maschine wegfällt?
Besonders interessant wird die Analyse bei der Optimierung einer bestehenden Teststrategie.
Der Test Coverage Report bietet verschiedene Filter- und Sortiermöglichkeiten. Dadurch können Anwender beispielsweise untersuchen, wie sich die Gesamtdeckung verändert, wenn eine AXI- oder ICT-Prüfung nicht berücksichtigt wird.
So können verschiedene Szenarien direkt miteinander verglichen werden:
Welche Coverage erreichen wir mit unserer aktuellen Fertigungslinie?
Welche Bereiche würden nicht mehr geprüft, wenn ein bestimmtes System entfällt?
Gibt es Prüfungen, die sich stark überschneiden?
Damit wird Test Coverage nicht nur zu einem Reporting-Werkzeug, sondern auch zu einer Grundlage für fundierte Entscheidungen bei der Planung und Optimierung von Prüfprozessen.
Test Efficiency und Production Yield im Blick
Der Report geht noch einen Schritt weiter und kann Kennzahlen wie Test Efficiency und Production Yield berücksichtigen.
Für die Bewertung werden unter anderem PPM-Werte für verschiedene Fehlerarten verwendet. PCB-Investigator berücksichtigt dabei beispielsweise Informationen zu Presence, Polarity, Value und Soldering. Dadurch kann die reine Aussage „getestet oder nicht getestet“ um eine quantitative Bewertung ergänzt werden.
Das ermöglicht eine differenziertere Betrachtung der gesamten Prüfstrategie und unterstützt insbesondere Testengineering und Produktionsplanung bei der Bewertung unterschiedlicher Maschinenkonfigurationen.
Ergebnisse dokumentieren und teilen
Die Analyse muss nicht innerhalb von PCB-Investigator bleiben. Der Test Coverage Report kann als HTML-Report exportiert werden.
Zusätzlich lassen sich Einstellungen speichern und wieder laden. Das erleichtert es, definierte Auswertungen wiederzuverwenden oder sie mit anderen Beteiligten abzustimmen.
Gerade im Austausch zwischen Entwicklung, Testengineering, Fertigung und Qualitätssicherung entsteht dadurch eine gemeinsame und nachvollziehbare Grundlage für Entscheidungen.
Ergänzend: Testpunkte gezielt analysieren
Während der Test Coverage Report die gesamte Prüfabdeckung betrachtet, bietet PCB-Investigator mit dem Test Point Report eine ergänzende Möglichkeit, die vorhandenen Testpunkte genauer zu untersuchen.
Der Report zeigt übersichtlich, wie viele und welche Testpunkte für einzelne Netze vorhanden sind. Dadurch können insbesondere Netze erkannt werden, für die bislang überhaupt kein Testpunkt definiert wurde.
Da Testpunkte in der Praxis häufig zu unterschiedlichen Zeitpunkten und von unterschiedlichen Beteiligten definiert werden, erleichtert diese strukturierte Übersicht die Verwaltung und kann helfen, sowohl fehlende als auch möglicherweise unnötige Testpunkte zu identifizieren. Die Ergebnisse können unter anderem als TXT- oder Excel-Datei ausgegeben werden.
Mehr Transparenz für eine bessere Teststrategie
Eine hohe Anzahl an Prüfungen bedeutet nicht automatisch eine hohe Testabdeckung. Entscheidend ist, welche Bereiche tatsächlich geprüft werden, welche Prüfverfahren sich ergänzen und wo Lücken verbleiben.
Mit dem Test Coverage Report bringt PCB-Investigator die Ergebnisse verschiedener Analyse- und Prüfschritte in einer gemeinsamen Betrachtung zusammen. Dadurch können Schwachstellen früher erkannt, Überschneidungen besser verstanden und unterschiedliche Prüfstrategien gezielt miteinander verglichen werden.
In Kombination mit dem Test Point Report entsteht so ein umfassenderer Blick auf die Testbarkeit und Testabdeckung einer Leiterplatte – von vorhandenen Testzugängen bis zur tatsächlichen Coverage innerhalb des Produktionsprozesses.
Fazit
Der Test Coverage Report schafft Transparenz darüber, wie vollständig eine Baugruppe tatsächlich geprüft wird. Statt einzelne Maschinenergebnisse isoliert auszuwerten, erhalten Entwickler, Testingenieure und Produktionsverantwortliche eine gemeinsame Sicht auf die gesamte Teststrategie.
Das erleichtert die Identifikation ungetesteter Bereiche, unterstützt die Optimierung von Prüfprozessen und schafft eine belastbare Grundlage für Entscheidungen auf dem Weg zur Serienreife.


